Bausatz Boulevard

Oberkacki

Man will ja wirklich nicht viel. Einfach einen entspannten Sonntagabend, ein bisschen Bundesliga, Borosen unter sich – vielleicht sogar so etwas wie gute Laune je nach Form des BVB. Stattdessen bekommt man: ein Gesamtkunstwerk des Scheiterns. Aber der Reihe nach.

Der BVB verliert also 1:0 in Gladbach. Mutlos, ideenlos, irgendwie folgerichtig. Geschenkt. Daran kann man sich ja fast schon gewöhnen. Was man allerdings nicht einplanen konnte: dass das eigentliche Desaster gar nicht auf dem Platz stattfindet, sondern in der „neuen“ Bielefelder Sportsbar namens Bausatzlokal Boulevard. Spoiler: Der Name ist Programm – nur dass offenbar ein paar zentrale Bauteile fehlen.

Gleiche Location wie früher, als der Laden noch Three Sixty hieß und wir Borosen dort Jahreshauptversammlungen, ein Champions-League-Halbfinale und solche exotischen Dinge wie „Organisation“ und „Service“ erleben durften. Heute: Bausatz-Konzept. Klingt erstmal fancy, entpuppt sich aber schnell als kulinarisches Glücksspiel mit pädagogischem Ansatz.

Die Speisekarte? Ein buntes Ankreuzheftchen, irgendwo zwischen Zutaten-Lotto und Steuerformular. Man wählt eine Basis – Burger, Pizza, Nudeln – und darf sich dann aus einer ellenlangen Liste alles zusammenwürfeln. Darunter „Highlights“ wie Schnecken oder Gummibärchen auf Pizza. Vermutlich als ironischer Kommentar zur eigenen Küche gedacht. Oder als Warnung.

Schon bei den Getränken ging’s los: einfache Wünsche? Überbewertet. Verfügbarkeit? Optional. Und das, obwohl der Laden ungefähr so voll war wie ein Montagmorgen in der Fußgängerzone. Zwei, drei andere Gäste – also quasi ausverkauft. Am Ende gab’s für uns: Bier. Revolutionär.

Dann die Essensbestellung. Zettel abgegeben, Hoffnung gleich mit – und dann passiert exakt das, was wenig später auch auf allen Bildschirmen zu sehen ist: nichts. Wirklich nichts. Die Übertragung verabschiedet sich komplett, auf Leinwand und TVs dreht sich nur noch dieser ikonische Ladekreis. Küche und Technik im perfekten Gleichschritt: Ladezustand. Zwei Drittel des eigenen Konzepts weg – kein Sport, kein Essen, immerhin Bier.

Irgendwann durchbricht ein einzelner Burger diese kollektive Warteschleife – das letzte Patty des Tages. Um nicht mal 18 Uhr. Eine logistische Meisterleistung und persönlicher Jackpot für Marius. Dazu Pommes in ausreichender Menge, um das Fehlen von Fußball zumindest kalorisch zu verdrängen.

Ein Hoch auf Fabi. Mobiles Internet regelt, DAZN läuft auf seinem Handy. Willkommen im Jahr 2026, wo „Sportsbar“ bedeutet, dass man Bundesliga auf 6,5 Zoll verfolgt.

Als Belohnung kommt dann auch seine Pizza. Mit zwei von vier bestellten Toppings. Minimalismus ist ja gerade im Trend. Pizza geht zurück, kommt wieder – diesmal mit dem fehlenden Pesto-Klecks und etwas Schinken. Dafür jetzt kalt. Ein fairer Tausch?

Die anderen beiden Pizzen trudeln dann auch irgendwann ein – nur schlappe 15 Minuten später. Immerhin gleichzeitig, man soll ja dankbar sein. Die Thunfischpizza kommt dafür mit so viel Öl, dass man kurz überlegt, ob man es bei den aktuellen Preisen nicht eher in den Tank kippt als in den Magen.

Irgendwann läuft dann sogar wieder Fußball auf den Bildschirmen. Fast schon ein Wunder. Passend dazu kassiert Dortmund in der 88. Minute den Gegentreffer. Natürlich. Wie könnte es anders sein? Der perfekte dramaturgische Abschluss für diesen Abend.