Spiel Nummer zwei in Kalenderwoche drei. Nach dem Sieg gegen Werder Bremen unter der Woche stand am Wochenende der Rückrundenstart mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli an. Endlich mal wieder eine ganz typische Fußballzeit: Samstag, 15:30 Uhr.
Die Anfahrt war dieses Mal anders, besonderer. Kurz vor den Westfalenhallen blieb die U45 nämlich mitten im Tunnel stehen. Es gab einen Rettungseinsatz auf der Strecke. Zum Glück waren wir sehr früh dran, sodass die fast 45 Minuten im Tunnel nicht zu sehr ins Gewicht fielen. Die Kommunikation des Zugführers war allerdings mangelhaft, denn es gab keine richtigen Informationen.
Am Stadion war es dann schon voller als erwartet. Die Eingänge an der Nordtribüne waren allesamt sehr voll. Mit unserem Borosen-Banner mussten wir aber ohnehin durch den Materialeingang gehen, wo es zum Glück immer leer war. Das ist eigentlich ein super Trick, um schnell ins Stadion zu kommen – einfach ein größeres Banner oder Schild mitnehmen.
Vor dem Spiel konnte ich noch meinen Schwager und meinen Neffen treffen. Für meinen Neffen war es das erste Pflichtspiel im Stadion – und was für ein Spiel das werden sollte! Sie hatten Plätze im Familienblock, wo auch Emma vorbeischaute. Aber nicht nur Emma war ein besonderer Gast: Auf den Stadionleinwänden wurde später auch Bundeskanzler Friedrich Merz eingeblendet. Er ist ebenfalls BVB-Fan und war im Stadion, um den vom Bäckerinnungsverband verliehenen Titel „Großer Stutenkerl” entgegenzunehmen.
Nach den eher verhaltenen Auftritten der letzten Spiele war die Hoffnung auf Powerfußball wieder groß. Mit dem Tabellen-17. St. Pauli sollte ein passender Gegner für eine ansprechende Leistung gefunden sein. Dortmund startete wacher ins Spiel als sonst, wirklich ansehnlich war es aber trotzdem nicht. In der 38. Minute war ich kurz irritiert, welche Sportart gespielt wurde – Fußball oder American Football. Emre Can wurde bei einem tollen Sololauf durch ein Horse-Collar-Tackle gefoult. Die Divisional Playoffs der NFL sollten aber erst später am Abend folgen. Unser Kapitän ließ sich davon jedoch nicht beirren und lief einfach weiter. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fiel dann das erlösende 1:0: Adeyemi setzte sich auf der rechten Seite durch und drosch den Ball in die Mitte. Silva verpasste, aber Julian Brandt stand zum Einschieben bereit.
Bundesliga, 18. Spieltag
Sonntag | 18.01.2026 | 15:30 Uhr
Schwungvoll ging es in die zweite Halbzeit. In der 54. Minute legte Silva einen Ball auf Adeyemi ab, der dieses Mal selbst abschloss und das 2:0 erzielte. Silva zeigte sich hier sehr uneigennützig, denn er hätte auch selbst sein erstes Tor vor der Südtribüne erzielen können. Dann kam jedoch wieder eine Phase des Spiels, die man eigentlich längst hätte wegtrainieren können. Die Borussia gab das Spiel mehr und mehr aus der Hand. Der FC St. Pauli bekam mehr Spielanteile und glich, wenn auch harmlos, mit zwei Standardsituationen (62. und 72. Minute) aus.
Auf der Südtribüne wurde es daraufhin lauter. Einerseits mehrten sich bei jedem schlechten Pass, jeder missglückten Ballannahme etc. die Kritik und die Bekundungen von Unfähigkeit. Aber auch die Ultras legten eine Schippe drauf – es war übrigens der 25. Geburtstag der Gruppe „The Unity“ – und stimmten lautstark Gesänge an, die zum Glück die Stimmung wieder hoben. In der Nachspielzeit gab es dann noch einen letzten Freistoß aus aussichtsreicher Position – Beier wurde gefoult. Die Ausführung verzögerte sich jedoch. Schiedsrichter Osmers hatte die Hand am Ohr und schien eine Meldung zu bekommen. Dann formte er mit seinen Händen die typische Box, sein Mikro ging an und er sagte: „Geprüft wurde der Ort des Fouls. Der Kontakt war innerhalb des Sechzehnmeterraums.“ Die Süd explodierte förmlich: „Strafstoß!“
Emre Can schnappte sich den Ball. Er nahm sich viel Zeit, um den Ball auf dem Elfmeterpunkt zu positionieren. Sein Abschluss war gezielt und wuchtig und landete im Netz – 3:2 für Borussia Dortmund! Grenzenloser Jubel im Stadion – Emotionen pur, wie man es schon lange nicht mehr bei einem Tor erlebt hat. Vor dem Spiel wäre ein 3:2 für viele Fans sicher zu wenig gewesen, aber angesichts des Spielverlaufs und der Schlussdramatik war es ein ganz besonderes Spielende. So euphorisiert bin ich schon lange nicht mehr nach Hause gefahren.























